Riesenibis & Weißschulteribis - Eine Kette verliert zwei Glieder
Pseudibis gigantea & Pseudibis davisoni
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Die Familie der Sichler und Löffler bewohnt alle warmen
Gebiete der Welt mit 28 verschiedenen Arten: eine Kette
rund um den Globus. Aber in Südostasien droht diese Kette
nun zu zerreißen. Dort leben die beiden bedrohtesten Arten
der Familie, der Riesen- und der Weißschulteribis. Der Riesenibis
- mit 1,20 m fast so groß wie ein Storch - gilt als akut von
Ausrottung bedroht. Sein gesamter Weltbestand wird auf maximal
250 Tiere im Grenzgebiet von Laos und Kambodscha geschätzt.
Der Weißschulteribis scheint mit einem Weltbestand von
1000-2000 Tieren im Vergleich dazu deutlich weniger gefährdet,
aber seine Populationen leben gefährlich aufgesplittet.
Eine Population lebt ebenfalls im kambodschanisch-laotischen
Grenzgebiet, eine andere in Süd-Vietnam und noch weitere isolierte
Vorkommen im 1400 km Luftlinie südlich gelegenen
Borneo/Indonesien. Die Vorkommen liegen so weit verteilt,
dass es zu keinem genetischen Austausch mehr kommt. Jede
Population muss nun für sich um das Überleben kämpfen.
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30 Jahre Bürgerkrieg
überlebt - und nun?
Den nach Kambodscha ausgedehnten Vietnamkrieg, das
Schreckensregime der Roten Khmer und nicht endenwollende
Bürgerkriege haben die beiden Ibisarten überlebt,
aber der Frieden droht ihnen - wie so vielen anderen
Arten in Kambodscha und Laos - nun den Garaus zu
machen. Goldgräbermentalität, die schnelle Ausbeutung vermeintlich
»nutzlos« brachliegender Urwälder - dem ist die zwar
hochmotivierte, aber erst vor kurzem praktisch aus dem Nichts
geschaffene Naturschutzbehörde Kambodschas kaum gewachsen.
Es wäre kein Ruhmesblatt für unser Zeitalter, wenn »Frieden
und Freiheit« Tierarten zum Opfer fallen würden, die vorher
einige der schrecklichsten Vorgänge der aktuellen
Menschheitsgeschichte unbeschadet überdauern konnten.
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Der Anfang ist gemacht
- In zwei der drei Provinzen Nord-Kambodschas wurden
erste Erkundungen durchgeführt. Dabei konnten überlebende
Populationen beider Ibisarten gefunden und Erfahrungen
über die Zugänglichkeit der Gegend gewonnen werden.
- Durch das kambodschanische Umweltministerium wurde
mit einer Aufklärungskampagne unter der Bevölkerung begonnen.
Mit dem Einsatz von gesponsertem Material (z. B.
Farbposter zur Bedeutung der Artenvielfalt und Erklärung
ökologischer Zusammenhänge) konnten erste Erfolge erzielt
werden.
- Das kambodschanische Fischerei-Ministerium plant erste
Schritte, um zumindest einige Wasserstellen als Fischreservate
unter Schutz zu stellen und damit die Nutzung und
Störungen einzuschränken.
- Mitarbeiter mehrer internationaler Naturschutzorganisationen,
wie der New Yorker Wildlife Conservation Society
(WCS) sind in Phnom Penh stationiert und stehen für die
Umsetzung des Programmes der »Stiftung Artenschutz« zur
Verfügung.
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Das Arbeitsprogramm
der Stiftung Artenschutz
- Fortführung der Datenerhebung über die Restvorkommen
der Ibisse und anderer, in dem selben Gebiet vorkommender
seltener Tierarten.
- Kontaktaufnahme mit den Dorfgemeinschaften der Region.
Gemeinsam mit kambodschanisch/laotischen Partnern
Erfassung des Ausmaßes möglicher Störungen der
Vögel durch Jagd, Kücken- bzw. Eiersammeln sowie Fischerei
im Gebiet.
- Basierend auf den gewonnenen Informationen Umsetzung
von Sofortmaßnahmen zum Schutz der Ibisse durch
Bewachung von Nestern, Futterplätzen und Brutbäumen.
Dabei größtmögliche Einbindung der Bevölkerung.
- Parallel zu allen Aktivitäten Unterstützung der Naturschutzbehörden
beim kontinuierlichen Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit.
Die beiden Ibisarten werden damit
zum Botschafter für den Erhalt eines der letzten großen
Waldgebiete in Südostasien.
- Aufbau einer Ibis-Auffang- und Zuchtstation im erst kürzlich
neu gegründeten Zoologischen Garten von Phnom
Penh und/oder im Rahmen des von der Forstschutzbehörde
angedachten Naturschutzzentrums bei Angkor
Vat.
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