 Der biologische Reichtum der Inselwelt Südostasiens wird
nur von wenigen anderen Regionen der Erde erreicht.
Diese Artenvielfalt beruht unter anderem auf der Tatsache,
dass Inseln die genetische Isolation der auf ihnen vorkommenden
Tier- und Pflanzenarten bewirken. In erdgeschichtlich langen
Zeiträumen entwickeln sich deshalb Populationen auf verschiedenen
Inseln, die ursprünglich auf gemeinsame Vorfahren
zurückgehen, zu eigenständigen Arten. So besitzen Inselnationen
zwar besonders viele Arten, die jedoch überwiegend nur
kleine bis kleinste Vorkommensgebiete haben und schon alleine
deshalb potentiell besonders gefährdet sind.
All dies trifft auf die Dolchstichtauben zu - einzigartige Bewohner
des Regenwaldbodens verschiedener philippinischer
Inseln. Fünf Arten gibt es auf den Philippinen, jede jeweils nur
auf einer bestimmten Inselgruppe und nirgendwo anders auf
der Welt - im Fachjargon nennt man das »endemisch«.
Ein blutroter, wie eine Stichwunde aussehender Fleck auf
der Brust gab den Tieren ihren Namen. Im englischen heißen
sie gar poetisch bleeding-heart pigeon - »Taube mit blutendem
Herz«. Im Gegensatz zu den meisten anderen Taubenarten leben sie
nicht in Bäumen, sondern bewegen sich fast den ganzen Tag
auf dem Boden - flüchten sogar bei Gefahr zu Fuß ins Unterholz.
Obwohl voll flugfähig, eroberten sich die Dolchstichtauben
den Waldboden als spezielle Lebensnische.
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Der Boden brennt
unter den Füßen
Der Tiefland-Regenwald, in dem alle Dolchstichtauben ausschließlich
vorkommen, ist der am stärksten von Zerstörung
betroffene Waldtyp der Philippinen. Obwohl nur noch kleine
Reste dieses wertvollen und wissenschaftlich nach wie vor
wenig erforschten Lebensraumes erhalten sind, geht die Brandrodung
weiter. Auf diese Weise gelangten inzwischen vier der
fünf Dolchstichtaubenarten an den Rand der Ausrottung - von
der Negros-Dolchstichtaube (Gallicolumba keayi) und der
Tawi-Tawi-Dolchstichtaube (Gallicolumba menagei) existieren
jeweils nur noch wenige Paare.
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